Test .....Geschichten

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    Die alte Straße


    Oft bin ich dort schon langgelaufen...

    Heute ist es mir erst bewusst geworden....die alte wunderschöne Straße gibt es nicht mehr.

    Oder besser...es gibt sie noch.Nur größer..breiter.Dazu hat man ein Stück des alten Parks gestohlen und rechts...die alte Häuserserzeile! Einfach weg...abgerissen.

    Gegenüber des alten Feuerwehrmagazins ist jetzt eine Technikerhochschule.Ein hässlicher Betonklotz.Davor eine vesiffte Bushaltstelle, und da saß ich heute und wartete auf den Bus.

    Ich betrachtete die Umgebung. Wie war es früher hier und wie sah es aus??

    Und so nach und nach fielen sie mir ein, die Menschen, die früher hier lebten. Die alte Dame mit ihrem Tante-Emma–Laden. Bei der ich oft Äpfel oder mal ein paar Bonbons klaute.

    Der alte Schuster, der meine Mutter überredete für ihn in der Flüchtlingssiedlung eine Schuhannahmestelle zu betreiben (natürlich ein Reinfall).

    Und da war noch ein altes Ehepaar...

    Sie hatten da einen kleinen Laden. An-und Verkauf von Büchern, Comics (damals sagte man noch : Zeichentrickhefte dazu ) und man konnte dort tauschen. Zwei oder drei Hefte gab man, eines bekam man.Wenn man verkaufte, bekam man für ein großes Heft 10 oder 20 Pfennig—je nach Zustand.Und für ein kleines Heft (die ältere Generation kennt die noch—sie waren etwa ein Drittel so groß wie ein großes Heft( ...hmmm..komische Formulierung, aber man wird mich verstehen ) bekam man 5 Pfennig.

    Naja, für mich war es uninteressant. Ich hatte keine Hefte zum tauschen oder verkaufen.Und erst recht kein Geld, welche zu kaufen. Ich stand nur immer da, drückte mir die Nase an der Schaufensterscheibe platt und starrte sie an: Die Hefte mit meine Helden! Sigurd,Tarzan,Nick, der Welraumfahrer,Tibor, Akim,Falk-und soviele andere.

    Ich weiß nicht mehr, wie oft ich da stand...

    Irgendwann öffnete sich die Tür und da kam sie raus! Die Frau, die mit ihrem Mann den Laden betrieb.Ein winziges zierliches Wesen. Ich war damals klein und schmächtig und doch fast einen halben Kopf größer als sie. Sie lächelte mich an und fragte mich warum ich nicht reinkommen würde.Ich stammelte von keinem Geld...keine Zeit und...und..naja und dann rannte ich weg.Ein paar Tage später stand ich wieder da und starrte in das Fenster. Die Tür ging auf und diesmal kam der Mann raus.Groß, spindeldürr und irgendwie furchteinflößend. So kam es mir wenigsten vor. Später begriff ich: der furchteinflößende Blick rührte daher, das er schlichtweg

    blind wie ein Maulwurf war und ohne seine dicke Brille so gut wie nicht’s sah.

    Er forderte mich auf in den Laden zu kommen und da ich eingeschüchtert war, kam ich der Aufforderung nach.

    Kurz und gut: ab diesen Tag war ich ,,Stammgast“ bei ihnen, hatte im hinteren Raum ,,meine“ Ecke. Ein kleiner Tisch, ein Stuhl und neben mir der alte Bollerofen—der im Winter

    für herrliche Wärme sorgte. Ich brachte mir selber das Lesen bei in dem ich anfing zu Buchstabieren und immer wieder nachfragte und dann konnte ich sie endlich lesen! Die Erlebnisse meiner Helden—soviel ich wollte. Und bald kamen die ,,Klassiker“dran : Robinson Crusoe, Lederstrumpf, Die Schatzinsel usw..usw...

    Irgendwann fragten sie mich nach der Schule.

    Und ich begann sie zu belügen, weil ich ja die Schule schwänzte.Täuschte Schulbesuch vor, kam erst am Nachmittag in den Laden usw..

    Und irgendwann ging ich nicht mehr hin....begann mich wieder rumzutreiben .

    Im darauffolgenden Frühjahr zogen wir dann in einen anderen Stadtteil und ich kam dann im Herbst in’s Kinderheim.

    Inzwischen sind viele Jahre vergangen. Ich hatte alles vergessen oder vieles aus meiner Kindheit verdrängt.

    Aber heute, als ich auf der Bank saß und auf den Bus wartete, da fielen sie mir wieder ein: die Menschen, die damals in der alten Strasse lebten.

    Und ich dachte darüber nach, warum sie mich eigentlich so gut behandelten


    Diese alte Ehepaar, die Juden waren. Im KZ waren und deren Kinder im KZ umkamen. Dieses bekam ich damals mit, wenn sie sich über *damals* unterhielten. Als Kind verstand ich vieles nicht....erst später, als ich im Heim war und in die Schule ging, da erfuhr man viel über *damals*....


    Morgen werde ich auf den Friedhof gehen und einen Stein auf den Grabstein legen um zu zeigen: Ich habe euch nicht vergessen!


    Danke!


    © Hippie

    Ich bin...ich weiß nicht wer
    Ich komme...ich weiß nicht woher
    Ich gehe...ich weiß nicht wohin
    Mich wundert, dass ich so fröhlich bin...


    ( Unbekannter Dichter, Mittelalter )


    Meine Lebensgeschichte unterliegt selbstverständlich, wie alle von mir eingebrachten Geschichten,


    meinem ( Hippie's ) Urheberrecht -- § 7 UrhG.

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