Beiträge von Hippie

    Heimkirche




    Mittwoch vor der Schule, Samstag 18 Uhr, Sonntag 10 Uhr....

    Pflicht---jeder musste in die Kirche. Heimleiter war gleichzeitig auch Pfarrer--im Namen des Herrn...

    Auf dem oberen Bild sieht man einen Teil der Empore. Da saßen wir Älteren und die Bäuerlein aus/von den Nachbarhöfen.

    Der Pfarrer/ Heimleiter hatte uns gut im Blickfeld--auch die Bäuerlein. Und wenn diesen während der Predigt die Köpfe nach vorn sanken,

    blöckte der Seelenhirte lauthals *..und nun liebe Gemeinde* , worauf die Bäuerlein aufsprangen und verwirrt um sich schauten.

    Auf der Empore stand seinerzeit eine uralte Orgel--mit einem Blasebalg, der getreten werden musste, damit die Orgel Töne von sich gab.

    Organist war Lehrer Zimmermann.

    Mein Freund Karl-Heinz war der Auserwählte, der den Blasebalg treten durfte/ musste. Während Zimmermann in die Tasten haute, machte Karl-Heinz ab und an den Spaß und bearbeitete den Blasebalg nicht. Worauf diesem die Luft ausging und man hörte nur noch ein hölzernes Klappern.

    Was dazu führte , das Zimmermann das Gesangbuch nach Karl-Heinz warf.

    Montags rächte sich Zimmermann, in dem er Karl-Heinz am Ohr durch das Klassenzimmer zog...


    © Hippie

    Weihnachten 1964 oder 1965 --Bundeswehr


    Der Junge mit Krawatte - der direkt in die Kamera schaut. Vornamen habe ich vergessen. Nachnamen war *Sachs oder Sachse.*

    Ein armer Tropf. Mit einem Buckel gestraft.

    Ein Pechvogel.

    Am ersten Schultag in der Sammelschule in Marktlustenau wollte er der Erste auf dem Pausenhof sein--und rannte durch eine geschlossenen Glastür.

    Glastür kaputt--und er fast auch.

    Hatte sich nach Wochen soweit erholt, das er mit nach Frankreich fahren durfte...

    Da wir bei Weihnachten sind, eine Geschichte, die Axel/Lexa ( -der, wie geschrieben, mit mir in der berüchtigten Müller-Gruppe war -) einmal geschrieben hatte. Für meinen damaligen Tempelhofthread. So wie er es geschrieben hat--so ist es geschehen.


    ( Lexa Weihnachten )

    Weihnachten in der Gruppe Müller

    Es begab sich zu der Zeit, da es Weihnachten wurde im Tempelhof. Alles wurde festlich geschmückt, und man war etwas netter zu seinen Mitmenschen. Sogar Zimmermanns Jakob hatte (fast) Schonzeit.

    In der Gruppe Müller sollte eine Krippe mit den entsprechenden Figuren gebastelt werden.Die Köpfe wurden aus Wachs hergestellt und hatten richtige Gesichter. Reiner D. konnte das besonders gut, was ihm gleich zum Verhängnis werden sollte. Er saß mit Günter Müller am großen Tisch im Tagraum und modelierte. Ich hab, glaube ich, Geschirr abgetrocknet und hatte die Beiden im Auge. Auffallend oft hat der Reiner beim Modellieren den Müller genau angesehen. Der merkte das natürlich auch und bald waren die ersten Warnzeichen sichtbar.( Veränderung der Gesichtsfarbe ins Dunkle, Haare streubten sich. Sabberbildung) Reiner war so vertieft, das er nichts merkte. Nicht nur das, sondern er hat an der Figur ein zusätzliches Teil angebracht, was wirklich gerade zu Weihnachten nicht nötig gewesen wäre.

    Ja, was soll ich erzählen, die es schon erlebt haben, wissen es. Also es gab so etwas wie eine Explosion.Werkzeug, Figuren, Stühle, Reiner und Müller, alles ein Durcheinander. Sogar die Frau Müller kam hinzu um sich schützend über den Reiner zu werfen und drohte den Herrn Pfarrer zu rufen. Einen Moment lang sah es so aus, als ob sie nun auch gleich einer pädagogische Heilbehandlung unterzogen würde. Der Müller hat sich dann aber zurückgezogen und wir konnten aufräumen.

    Leider kein Ende! Mitten in der Nacht wachten wir auf, weil die Tür zu unserem Zimmer an die Wand, bzw.an Norberts Bett knallte. Das Licht ging an, Müller, voll im roten Bereich, zerrte den armen Reiner aus dem Bett. Brüllte "jetzt wird abgerechnet"

    und setzte sein unterbrochenes Werk fort.

    ----Ich glaube noch ein Jahr und wir wären kräftig genug gewesen dem Müller beizukommen. Damals waren wir leider noch nicht so weit. Außerdem , wer einen Erzieher angriff kam auf den Schönbühl. Trotzdem schäme ich mich heute, das wir es nicht wenigstens versucht haben.

    © LEXA


    Zur Erklärung:

    Oben geschrieben: *Zimmermanns Jakob*

    Zimmermann, bekanntlich Klassenlehrer, hatte immer seinen *Jakob* im Ärmel.

    Ein schönes biegsames Weidenstöckchen das er bei *Bedarf* einsetzte. Das heißt, er drosch nach herzenslust auf die Kinder/ Jugendlichen ein.

    Das/ Der erwähnte *Schönbühl*--ein sehr strenges Erziehungsheim.

    Der Heimchor



    Weihnachtsfeier mit den Ami's (?) 1964 oder 1965

    Stelle später noch ein paar Bilder dazu ein.

    Der Herr, der uns seine Rückseite zeigt ( mit dem Mückenflugplatz am Hinterkopf ) Ist / war Herr Jäckel.

    Er glaubte, ein zweiter Herbert von Karajan zu sein---was er nicht wahr. Wenn einer seiner Schützlinge nicht den richtigen Ton traf, wurde er mit dem Dirigentenstäbchen maltratiert. Zum Glück zerbrach das Stäbchen sofort in kleinste Stücke.

    Jäckel war Schulleiter der Heimschule.

    Im Winter 1964 mussten alle Schülerinnen und Schüler einmal vor Schulbeginn auf der Straße ( Von der Hauptstraße bis zum Heim ) den Schnee wegschaufeln, damit der alte Sack mit dem Auto bis in's Heim fahren konnte.

    Nun habe ich aus dem Gedächtnis noch mal etwas über den Chor geschrieben.

    Habe diese *Geschichte* schon in den anderen Tempelhof -Threads geschrieben--finde sie aber nicht mehr in meinem Ordner.

    Ich hoffe, ich habe es nun einigermaßen richtig geschrieben...

    :chor:

    Heimchor

    Wir tourten mit dem *berühmten* Heimchor durch die Gegend ( ich als Statist dabei--singen konnte ich nicht. Aber es waren einfach zu wenig Leute im Chor und da brauchte man ein paar Jungen die im Hintergrund standen und den Mund auf und zu klappten. )

    An den Samstagabenden fuhren wir in die umliegenden Gemeinden um in den Kirchen zu singen. Aus Dankbarkeit für die milden Gaben, die man uns zukommen ließ.

    Es war immer nach *Erntedank*, weil die Gaben, die vor dem Altar aufgebaut waren, keiner mehr haben wollte. Für die armen Heimkinder war das Gelumpe gut genug--und natürlich musste man dafür Dankbar sein.

    Irgendwann erklärten sich ein paar Bauern bereit, ein paar Heimkinder zu sich nach Hause einzuladen.Sonntagsessen, nachmittags Kaffee und Kuchen.

    Der Heimleiter bestand darauf, das nur Zweiergruppen zu den Bauern gehen durften. Vielleicht traute er den Bauern nicht, denn die Heimkinder waren für viele Bauern

    Verbrecherkinder. Warum sie uns trotzdem einluden?? Vielleicht um bei den Pfaffen gut angesehen zu sein.??

    Mein Kumpel Karl-Heinz und ich als Gäste bei einem Bauern. Ein Dorf am Arsch der Welt.

    Mittagessen. Ich glaube, das halbe Dorf war versammelt und schaute zu. Irgendwie sahen sie alle gleich aus. Das lag wohl daran, das mehr oder weniger kreuz und quer in der Verwandschaft geheiratet wurde. Denn das Geld sollte ja in der Familie bleiben.

    Misstrauisch wurde jede Bewegung von uns beobachtet und ich bin überzeugt, das irgendwo in den Ecken ein paar Schrotflinten standen. Für den Notfall--sollten wir mal versuchen ein paar Hälse durchzuschneiden.

    Nach dem Essen hatten wir *Freizeit* --bis zum Kaffee und Kuchen. Wir dachte aber nicht daran, wieder zu dem Bauern zu gehen, sondern verkrümelten uns .

    Gegen Abend kam der Heimleiter in einem VW-Bus und sammelte seine Schäfchen ein.

    Die Aktion *Bauer lädt ein* fand zum Glück nur einmal statt. Denn der Heimleiter sah ein, das diese Einladungen nur ein Theater war--um guten Willen zu zeigen---der nicht da war.

    © Hippie

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    Herzlichen Glückwunsch
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    Alles Gute

    Die Massen kommen angerannt
    schütteln Dir wie doof die Hand,
    klopfen Dir die Schultern weich,
    huldigen Dir wie 'nem Scheich.

    Wünschen Dir - wie soll’s auch sein -,
    dass Du alt wirst wie ein Stein;
    Heiterkeit, Gesundheit, Glück,
    vom Erfolg ein großes Stück.

    Ich mach es nicht so pompös
    mit Krawall und laut' Getös’,
    sage nur ganz kurz und knapp:
    Alles Gute – mach nicht schlapp!

    ©Norbert van Tiggelen

    Frau und Herr Böhner ( Weihnachtsfeier 1964--oder 1965 --mit Ami's oder Bundeswehr. Beide *Vereine* veranstalteten Weihnachtsfeiern auf dem Tempelhof. )


    Das Merkmal der *Böhnergruppe*---alle Kinder/ Jugendlichen hatten die gleichen Frisuren. Sah aus wie : *Schüssel auf den Kopf und was unten 'rausschaute wurde abgeschnitten.*

    In 1965 hatte ich beim Abriss des Gärtnereihauses den Knöchel gebrochen. Ich hatte Martin ( des Heimleiters Sohn ) vor der Raupe gerettet, mit der ein Arbeiter die Balken zusammen schob. Geriet bei der Aktion selber zwischen die Balken und der Fahrer hat mich nicht gesehen. Knöchel zermatscht.Krankenhaus. Lag da bis ein Arzt kam, den Stiefel runterzerrte und dann den Fuß drehte...ich hab geblökt wie ein Tier und wachte dann mit einen Gipsfuß im Heim wieder auf.

    ( Muss dazu schreiben: Weder beim Arzt, noch beim Zahnarzt wurden wir Heimkinder *normal* behandelt---wir waren ja *nicht's )

    Im Sommer 1965 fuhr die erste Austauschgruppe nach Frankreich in ein Kinder-und Jugendheim. Etwa drei Jahre später war eine Gruppe aus diesem Heim für 3 (?) Wochen bei uns auf dem Tempelhof. ( Da war ich immer als Wochenendgast im Heim---aber das ist eine ander Geschichte.)

    Zurück zur Frankreichfahrt. Ein Lehrer ( der lange in Frankreich gelebt hatte ) gab uns abends schnell Französischunterricht. Damit wir uns ( mit Unterstützung von Händen und Füßen ) einigermaßen verständigen konnten. ( Inzwischen wieder alles vergessen. )

    Der Tag der Fahrt kam---und ich stand zum Abschied winkend unten im Hof. Wegen dem Gipsfuß durfte ich nicht mitfahren.

    Mein *Erzieher* ( Wehrdienstverweigerer ) fuhr nach Stuttgart zu seinen Eltern und ich war allein in der Gruppe. Dann meinte der Heimleiter, ich solle in die Gruppe

    Böhner gehen, damit ich nicht so allein sei. Also ging ich zu Böhner's und nach ein paar Tagen zum Heimleiter. Ich wollte wieder in meine Gruppe. Er fragte, warum?

    Und ich sagte * Ich muss da raus. Die sind da alle bescheuert.* Ich habe den Sadisten Müller ( *Zornmüller*) überlebt. Aber die Böhner's waren mir unheimlich: Standen auf einmal da und guckten und guckten....drehten sich um und verschwanden. Das war am Tage so und auch nacht's. Da standen sie vor dem Bett ...ne..ne..total bekloppt.

    Ich durfte wieder in meine Gruppe. Und da stand dann eines Tage mein Bruder vor der Tür...aber die Geschichte kennt ihr ja.

    Was es noch von Böhner's zum erzählen gibt...

    Als Auto besaßen sie einen kleinen Lloyd ( Kleinwagen ), den sie verscherbelten und kauften sich einen kleinen Fiat-Sportwagen.

    Ihre Garage stand hinten am Weg nach Marktlustenau. Ein Gebilde komplett aus Wellblech.

    Als Böhner's mit dem neuen Auto ankamen, war das halbe Heim versammelt. Stolz saßen sie in ihrem Auto ( Verdeck unten) und winkten huldvoll dem Pöbel zu. Fuhren in ihre Garage --und krachten voll gegen die Rückwand. Die Scheinwefer waren kaputt und irgendwie tropfte Wasser aus dem Auto. Sie hatten sich wohl etwas vertan mit dem Auto--keine Ahnung. Erst kam sie plärrend aus der Garage, dann er, wild um sich schauend. Er stiefelte auf uns zu und ich versuchte, das Lachen zu verkneifen. Ich konnte nicht anders--ich kreischte los-- dann begannen alle zu lachen. Wütend packte er seine Frau und stiefelte mit ihr davon.

    Der lange Klaus ( Friede seiner Asche ) kam später als Neuer in meine Gruppe ( war bis dahin in der Böhnergruppe ) und erzählte, das er und noch ein paar aus der Gruppe die ganze Nacht im Duschraun eingesperrt waren, weil sie auch wegen dem *Unfall* gelacht hatten.

    Das waren die Böhner's...

    © Hippie

    Das Treffen.....

    Darüber habe ich hier schon geschrieben.

    Ich schau jetzt nicht nach, was ich schon geschrieben habe.
    Aber wie ging es mir persönlich dabei?

    Tempelhof--Gutes und schlechtes....

    Was war das Heim für mich ? Es war für eine Zeitlang mein zu Hause. Ohne das Heim wäre ich irgendwo jämmerlich verreckt. Einzelheiten erspar ich mir--ihr habt darüber gelesen.

    Nun stand ich nach vielen Jahren in den Gruppenräumen und es war alles unendlich traurig.

    Während mein Bruder und die Anderen debattierten, ging ich runter in die ehemalige Heimschule--alles kahl und kaputt. Bilder tauchten auf. Schülerinnen--Schüler--Lehrer.

    In Gedanken versunken ging ich aus dem Gebäude, stand da und lauschte--nach den Kinderstimmen. Lachen...weinen...streiten. Das Gezeter der Erzieherinnen, das Gebrüll der Erzieher. Aber es war still. Irgendwie überkam mich eine große Traurigkeit. Und der Staub in der Luft war schuld, das meine Augen anfingen zu tränen.

    Ich ging wieder hoch in die Gruppenräume um mich abzulenken--um zu hören, was mein Bruder noch alles zu erzählen weiß. © Hippie

    So sei es denn....einige von euch haben die Geschichten schon gelesen. Dann lest ihr es halt nochmal :b05:

    Es geht hier nur um den *Tempelhof*...

    Ich werde Fotos einstellen, die uns Martin ( Sohn des Heimleiter's ) auf CD's gebrannt hat.

    Einige Fotos werden von mir sein--die ich bei unserem Treffen 2011 gemacht habe.


    Alles Gute für Euch in eurem neuen zu Hause...

    Wir wohnen auch am Arsch der Welt....


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    Ich kann es nicht lassen...

    Das ist Müller. Wie schon geschrieben, zwang er Kinder das ausgekotzte Essen wieder zu essen. Schlug mit seinen Holzschlappen den Kindern auf den Kopf.

    Ansonsten prügelte er mit allen, was er in die Hände bekam, auf die Kinder ein.

    Auf dem Foto ist zu sehen wie er mit anderen Erziehern, Lehrern und sonstigen Angestellten an einem *sehr lustigen* bunten Abend teilnahm.


    Lang ist's her....

    Habe ich schon einmal darüber geschrieben?

    Ich weiß es nicht mehr...

    Aber ich bin gefrustet und den Frust muss ich mir von der Seele schreiben

    Es geht um Nelly, meinen Augenstern, mein Töchterchen---der ich schon vor zwei oder drei Jahren ihre Zukunft prophezeit habe : Sie wird Nonne und geht in's Kloster.

    Das war, als ich merkte, sie schwärmte für einen komischen hässlichen nichtsingen könnenden Sänger .

    Und dann lernt sie in einem Jugendforum auch noch einen Knilch kennen und irgendwann kam was kommen musste : die Beiden wollten sich treffen.

    Natürlich wurde ich vor vollendete Tatsache gestellt. Aber kurz vor dem Termin (ich nenne es mal so ) bekam meine Nelly 'kalte Füße' und fragte mich ganz kleinlaut ob ich mitkommen würde.Und ob!!---wollte ich doch mal den Sittlichkeitsverbrecher sehen, der sich an unschuldige Mädchen ranmacht.

    Bevor wir uns mit diesen Herren trafen, musste natürlich seine Telefonnummer her ( die ich heimlich per Anruf überprüfte ) und der vollständige Name und die Adresse.

    ( Seinen Personalausweis ließ ich mir dann beim Treffen zeigen )

    Es war dann soweit und wir fuhren zu diesem Treffpunkt. Ein riesengroßes Einkaufscenter bei Stuttgart.Da waren immer viele Menschen und sollte ich die Beiden aus den Augen verlieren und der Lüstling wolle sich vielleicht an meiner Tochter vergreifen, so könne sie laut nach Hilfe rufen.

    Wir warteten einige Minuten und da kam er, der Mädchenverführer. Ein sehr gepflegt aussehender junger Mann--höflich und wohl erzogen. Machte er doch tatsächlich einen 'Diener' als er mir die Hand zur Begrüßung reichte. Aber ich ließ mich nicht täuschen! Steckte doch in manchem Schafspelz ein Wolf. Bevor er sich richtig vorgestellt hatte verlangte ich ( wie oben erwähnt) seinen Personalausweis und schrieb mir alle Daten ab.

    Anschließend wurde ausgehandelt wie lange die Beiden sich allein durch das Center bewegen durften und wir einigten uns nach zähen Verhandlungen auf zwei Stunden.

    Mit vielen gut gemeinten Ratschlägen entließ ich dann die Beiden. Unter anderem erklärte ich dem jungen Mann (in's Ohr geflüstert!) was ich mit seinem Gemächt machen würde, sollte er sich Nelly unsittlich nähern.

    Sie zogen los, und die erste halbe Stunde schlich ich heimlich hinte ihnen her. Erst als ich mir sicher war, er versuche nicht meine Tochter aus dem Center zu locken, war ich einigermaßen beruhigt und setzte mich in der Nähe der Ausgangstür auf eine Bank. Das ich von da aus das ganze Areal überblicken konnte, war reiner Zufall.

    Nach etwa eineinhalb Stunden fragte ich über Handy meine Tochter ob alles ok sei. ,,Alles OK, Pappi ''- meinte sie und ich war beruhigt. Zehn Minuten später wollte ich nochmal fragen. Und erreichte sie nicht mehr! Sofort wurde eine Einman-Suchaktion gestartet. Im Laufschritt und rücksichtlos Kunden aus dem Weg schiebend stürmte ich die Geschäfte. Zwei schwarzuniformierte Sicherheitleute versuchten mich zu halten und schlossen sich mir dann an, als ich ihnen erklärt hatte in welcher Gefahr meine Tochter schwebte.

    Ich überlegte schon die Polizei zu alarmieren. Da kamen die Beiden lachend aus dem Fahrstuhl. Voller Zorn fragte ich wieso ich Nelly nicht mehr per Handy erreichen konnte--und musste mir selber gestehen, was ich für ein Trottel war. Hatte ich doch versprochen ihr Handy aufzuladen und hatte es vergessen. Irgendwie war der junge Mann so verunsichert, das er sich verabschieden wollte. Sanft überredete ich ihn mit Nelly und mir noch zu Mc Doof zu gehen.Während wir dort sehr lukullisch speisten fragte ich den jungen Mann nach seinen Zukunftsplänen, dem Einkommen seiner Eltern, ob sie ein eigenes Haus hätten usw..usw..

    Nach etwa einer Stunde intensiver Befragung durfte er dann gehen. ( Er entschwand und wurde nie wieder gesehen )

    Komischerweise war Nelly auch irgendwie genervt, was ich nun garnicht verstand. Hatte sie doch um Begleitung gebeten. Was gibt es noch über den jungen Mann zu schreiben?? Nelly meinte irgendwann, er habe sich gleich am anderen Tag aus dem Forum verabschiedet.

    Nun ist es wieder soweit. Nächste Woche hat sie wieder ein Date in Stuttgart und ich bin wieder dabei.

    Namen und Adresse scheinen zu stimmen--aber das überprüfe ich dann an Ort und Stelle.Wenn er keinen Ausweis dabei hat werde ich vielleicht gleich die Polizei einschalten--man weiß ja nie.

    Ganz patent scheint er ja zu sein. Nelly lernte ihn in Tübingen während dem Schullandheimaufenthalt kennen. Er ist erst sechzehn. Sieht gut aus und macht auch am Telefon einen recht guten Eindruck. Nein! ich habe nicht gelauscht ! Rein zufällig ist der Zweithörer runtergefallen und bis ich ihn einhängte hörte ich gezwungener Maßen mit.

    © Hippie

    Aber wie gesagt...sicherheitshalber werde ich auch ihn im Auge behalten. Wie oben schon geschrieben : in manchem Schafspelz steckt ein Wolf