Ich schreib einfach mal weiter über die Lager. Hab ich schon, ich weiß. Aber wie Hagiel sagte: Schreib weiter...es gibt wenige, die das noch kennen.
Nicht's soll in Vergessenheit geraten.
Ich habe mal auf die Karte geguckt---Marienfelde und Lichtenrade sind zwei Stadtbezirke, die aneinander grenzen. Wir wurden von Marienfelde in einem Bus nach Lichtenrade transportiert. Ich weiß nicht mehr wie lange die Fahrt dauerte, aber für mich ein Riesenerlebnis. Es war das erste Mal, das ich in einem Bus fahren durfte.
Das Lager war ein Barackenlager--wie ich später auch im Schwarzwald und Esslingen kennenlernte. Überbleibsel aus Adolfs *Tausendjährigen Reich.*
Kriegsgefangene--Zwangsarbeiter---und dann DDR-Flüchtlinge, die darin hausten.
Um das Lager Stacheldraht. Kinder durften nur in Begleitung Erwachsener das Lager verlassen--wie in Marienfelde auch.
Warum das ?? Es ist Tatsache, das Kinder von Herren aus der DDR entführt wurden, um die Eltern zu erpressen zurück in die DDR zu kommen.
Im Lager gab es ein Kino. Vor diesem war jedes Wochenende *Action* angesagt. Da wurde *Brüderschaft* gesoffen--die nach gewisser Zeit vergessen war ( je nach Alkoholspiegel ) und in Schlägerreien endete. Mann gegen Mann--Frau gegen Frau--jeder gegen jeden. Am anderen Tag war alles vergessen--weil die Männer danach ihre Frauen sehr lieb hatten. Konnte ich ja von meinem *Hochsitz* aus sehen.
Irgendwann mussten wir in die Quarantäne-Baracke ziehen. Meine *Mutter* erzählte später, wir hätten Mumps gehabt ( das hat meine verstorbene Schwester bestätigt) ---ich hatte immer gedacht, wir hätten wegen unseren *Haustierchen* ( Läuse und Flöhe und ein paar größere--vielleicht Wanzen ? ) in Quarantäne müssen. Die mussten wir nämlich mitnehmen.
Wir waren aber nicht die einzigen Quarantäne-Baracke- Bewohner . Da gab es viele Zimmer und in jedem Zimmer war eine Familie untergebracht.
Eines Nachts wachte ich auf, weil vor unserem Fenster ein Riesenspektakel war. Laute Stimmen, alles hellerleuchtet. Ich drückte meine Nase an der Fensterscheibe platt und sah wie man aus dem Stacheldraht ein großes Bündel zerrte. Am anderen Tag wurde erzählt, es wäre eine ältere Frau aus der Quarantäne-Baracke gewesen. Sie habe türmen wollen, sei im Stacheldraht hängen geblieben und wäre gestorben --vielleicht Herzschlag oder so...sie wäre eine Spionin gewesen usw. Ich wusste nicht was eine Spionin sei und fragte meine ältere Schwester, die wie immer meinte, ich wäre ein Trottel und ich solle mein Maul halten..die doofe Kuh.
Das erste Weihnachten *feierten* wir auch in diesem Lager. Meine Tante ( die vor uns türmte und mit ihrem Mann in Berlin lebte ) besuchte uns an *Heilig Abend* und brachte Geschenke. Meine Schwestern bekamen Puppen und ich ein Auto mit Schwungrad. Das Auto roch so gut...ich hab den Geruch jetzt noch in der Nase, wenn ich daran denke. Als wir nach Weihnachten wieder nach Marienfelde verlegt wurden, war mein Auto weg. Hatte ich es vergessen?? Nicht in meinen Schulranzen gepackt, der mein einziges Gepäckstück war? Ich weiß es nicht....und eigentlich bin ich immer ein wenig traurig, wenn ich daran denke.
In Marienfelde wurden wir dann untersucht.... gegen alles Mögliche geimpft (Die Bescheinigung habe ich heute noch in meinem Ordner ) und dann nach ein paar Tagen nach Hannover ausgeflogen.
Vom Flughafen ging es direkt zum Bahnhof und wir wurden in einen Zug nach Freiburg im Breisgau gesetzt. Es war so wenig Platz im Zug, so das ich mit meiner jüngeren Schwester im Gepäcknetz untergebracht wurde. Mit dem Bus ging es dann weiter nach Kirchzarten-ein Barackenlager.
Erst eine Massenunterkunft in einer Art Turnhalle--dann bekamen wir ein Zimmer in einer Baracke zugewiesen...
schreib später weiter...
© Hippie



