Sankt-Martin- Straße
4 große Wohnblocks--aus dem Boden gestampft für Flüchtlinge. Auf der anderen Straßenseite die ersten Siedlungshäuschen von Flüchtlingen.
Weiter vorn--Richtung Stadt --standen ältere Häuser. Dabei eine Bäckerei und eine Metzgerei.
Beim Bäcker und Metzger waren wir die besten Kunden--im Anschreiben. Der Metzger hat meiner älteren Schwester das Fahrrad weggenommen, weil meine *Mutter* nie die Schulden bezahlt hat. Ich überlege gerade, wo mein Rad abgeblieben ist.?..
Wir bekamen eine Wohnung im ersten Stock zugewiesen. Drei Zimmer, kleine Küche, Toilette und ein Minibad. Waschbecken, Wanne, Holz/ Kohle- Ofen mit einen hohen Wassertank darüber. Oder so ähnlich.
Möbel vom Sozialamt und gebrauchte Möbel von irgendeiner Sammelstelle. In der Küche 1 Tisch, 4 Stühle, ein Schrank, Spüle. Kein Kühlschrank.
Wir richteten uns ein und zwei oder drei Tage später kamen sie! Drei Männer, die man bei uns einquartierte. Wir mussten ein Zimmer hergeben.
Herr Heller--ein Bein im Krieg gelassen, wie er immer erzählte--besonders wenn er besoffen war. Und das war er meistens.
Herr Selle --ein komischer Kauz, der immer mit sich selber sprach. Lodenmantel, Hut und Spazierstock, so ging er jeden Tag *auf Suche*--wie er es nannte. Vorne am Stock war ein spitzer Nagel, mit dem spießte er die Zigarettenkippen von der Straße auf. Dann saß er am Küchentisch und machte sich aus den Tabakresten Zigaretten--die fürchterlich stanken.
Der dritte Mann--Herr Bachmann. Auch etwas im Krieg gelassen--seinen linken Arm. Er bekam sofort eine Stelle in einer Bank.
Meine *Mutter* scharwenzelte immer um ihn rum. Einmal kam ich vom Spielen hoch in die Wohnung und hörte aus unserem Schlafzimmer komische Geräusche und machmal hörte es sich an als wenn meine *Mutter* wie ein Hund winseln würde. Ratlos setzte ich mich an den Küchentisch, auf dem Bachmanns * Holzarm* lag. Schließlich stand ich auf, ging zur Schlafzimmertür und machte sie auf. Da schoss der Bachmann an mir vorbei, rannte in die Küche, nahm seinen *Holzarm* und haute mir den um die Ohren. Dann verschwand er im *Herrenzimmer.*
Ich weiß nicht, wie oft meine *Mutter* noch *rumwinselte*---denn sie sah sich schon als Frau Bankdirektor. Bis eines Tages Frau Bachmann samt Tochter erschien und Herrn Bachmann abholten. Keine Ahnung wohin.
Der Herr Heller verschwand auch eines Tages. Erst in's Krankenhaus und dann in irgendeine Anstalt.
Das kam so: Wieder mal richtig besoffen bedrohte er uns mit einem Messer. Frau K. ( eine sehr dicke und sehr große Frau die unter uns wohnte ) kam die Treppe hoch, nahm dem Heller die Krücken weg und schubste ihn die Treppe runter. Polizei, Krankenwagen--weg war er.
Übrigens ...Jahre später hat Frau K. dem Bürgermeister ihres Wohnortes einen Ziegelstein auf den Kopf geworfen.
Sehr rabiat die Dame.
Herr Selle ging eines Tages wieder auf Kippensuche und kam nicht wieder. Er saß tot auf einer Parkbank, als man ihn fand.
Das Zimmer war leer, bis Elvira auftauchte.
© Hippie




