Beiträge von Hagiel

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    Gott sei Dank habe ich nie hungern müssen, aber diese beiden Sachen sind heute noch eine Sünde wert, und werden immer zu meinen Favoriten zählen. Ich kann mich aber sehr gut erinnern, dass ich als Kind viel Durst hatte, und selbst das Wasser aus dem Wasserhahn wurde uns vergrämt, weil man ja davon Läuse in den Bauch kriegte. Aber Durst ist schlimmer als Heimweh, also wurde heimlich Wasser aus dem Wasserkran getrunken.

    Als Kind habe ich mir auch öfter ein Schmalzbrot geschmiert, aber mit dick Zucker darauf. was andere nur ekelig fanden, schmeckte mir wie verrückt.


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    Lustiges Weihnachtslied ?

    O Tannenbaum, o Tannenbaum
    Du musst dich reformieren
    Wer sich wie du beständig schmückt
    Gilt heutzutage als verrückt
    Das musst du korrigieren


    O Tannenbaum, o Tannenbaum
    Wir werden dich beschneiden
    Denn deiner Zweige Üppigkeit
    Passt heut nicht zur Bescheidenheit
    Und das woll´n wir vermeiden


    O Tannenbaum, o Tannenbaum
    Was ist mit den Geschenken?
    Wo sie sich stapelten zu Hauf
    Liegt heute nur ein Schnäppchenkauf
    Man muss sich halt beschränken


    O Tannenbaum, o Tannenbaum
    Trotz allem kann man sagen
    So lange noch ein Lichtlein brennt
    Und keiner ohne Schuh rumrennt
    Woll´n wir nicht zu viel klagen

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    copyright.jpg

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    Wir schenken uns nichts! Oder?


    Letztes Weihnachten war ehrlich

    Ziemlich schlimm. Um unsern Baum

    Lauter Zeug- total entbehrlich

    Und es füllte fast den Raum


    Zwölf Paar Socken beispielsweise

    Von quietschgrün bis schreiend rot

    After Shave gleich literweise

    Aus dem Sonderangebot


    Schächtelchen zur Schönheitspflege

    Dutzende, vielleicht noch mehr

    Wenn ich mir´s so überlege

    Halfen sie nicht allzu sehr


    Massenweise noch Kosmetik

    Duschgel, Lotion, Deo Spray

    Oder habe ich es nötig

    Dass ich stündlich duschen geh?


    Zentnerweise Süßigkeiten

    Schinken, passend zur Diät

    Will man sich da durcharbeiten

    Dann ist alles viel zu spät


    Und dazu ´ne zweite Waage

    Für den Kalorienkrieg

    Es veränderte die Lage

    Wenn ich gleich auf beide stieg


    Für die Kids Computerspiele

    Wo der Held wild um sich schießt

    Sehr gespalten die Gefühle

    Ob das wohl das Wahre ist?


    Bücher, die man nie gelesen

    Weil man doch die Zeit nicht hat

    Weggelegt und bald vergessen

    Man ist schon vom Fernsehn satt


    Sekt, Likör, diverse Weine

    Stilvoll und dezent verhüllt

    Die Verpackung schon alleine

    Hat die Tonne voll gefüllt


    Um die Hausfrau zu entlasten

    Noch so ein Elekroding

    Das steckt längst wieder im Kasten

    Denn der Nutzen war gering


    Ganze Stapel an Kalendern...

    Hört das Fazit des Berichts:

    Leute, nein, das muss sich ändern

    Diesmal schenken wir uns nichts


    Höchstens ein paar Kleinigkeiten

    Mehr symbolisch für das Fest

    Jeden Aufwand strikt vermeiden

    Nichts, was irgendwie uns stresst


    Vielleicht irgendwas zu trinken

    Guten Sekt, Likör und Wein

    Einen ganz besond´ren Schinken

    So etwas muss einfach sein


    Freilich auch noch Süßigkeiten

    Und Kosmetik- ist doch klar...

    Ja, es lässt sich kaum vermeiden:


    Es wird wieder so wie´s war!


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    Auf der Neuerburg hielt sich eines Tages ein Fräulein von Leuchteraberg auf. Sie war die Verlobte des Grafen von Manderscheid, des Herrn der Burg.

    Dieses Fraulein fand man nach einer stürmischen Winternacht tot in ihrem Bette auf. Der Medikus ward gerufen. Er behauptete, das Fräulein sei vergiftet worden, und dies könne nur eine Hexe getan haben. neuerburg_zeichnung1
    In der Stadt verhaftete man alsbald eine Frau namens Magdalena Pirken. Sie stand bei jung und alt in dem Geruche, eine Hexe zu sein. Zuerst leugnete sie jede Schuld. Als man sie aber auf die Folter spannte, legte sie ein Geständnis ab.

    Frau Pirken berichtete: „Meine begangenen Zaubertaten schweben mir nur traumhaft vor der Seele. Ich kann nicht sagen, ob ich nur im Geiste oder auch leiblich an den Zaubertaten beteiligt war.

    Vor etwa vier Jahren ging ich in den nahen Mühlenbusch. Es gesellte sich zu mir ein schwarzer, fremdartig gekleideter Mann. Er forderte mich auf, Gott ab- und ihm zuzuschwören. Er versprach mir dafür reiche Belohnung. Ich schwor Gott ab und versprach dem fremden Mann blinden Gehorsam.

    Jeden Donnerstag kam der Schwarze und führte mich auf einem ebenso dunklen Bocke zum Schornstein hinaus. Auf dem Dache des obersten Stadtpförtleins ruhten wir aus. Dann zogen wir weiter zum Hexentanzplatz im Mühlenbusch, wo wir herrlich und in Freuden lebten.

    Auf dem Hexentanzplatz haben wir auch beschlossen, das gräfliche Fräulein umzubringen. Auf dem Eligiusfriedhof an der Weiherstraße haben wir ein neugeborenes, noch ungetauftes Kind ausgegraben. Aus der Leiche haben wir den Gifttrank bereitet. Dann zogen wir zu nächtlicher Stunde in die Burg und brachten dem Fräulein den tödlichen Trunk bei."

    Magdalena Pirken wurde vom Neuerburger Hochgericht zum Tode durch das Feuer verurteilt. Auf einer Anhöhe beim heutigen Görgenhof wurde sie verbrannt. Ein Flurname heißt dort heute noch "Am Hochgericht".

    © 1966 Hans Theis, Neuerburg

    Gellend schreit ein Hörn über die Ebene. Aus der Ferne antwortet ein zweiter Ruf. Dann sind es mehrere. Von allen Seiten strömen die keltischen Krieger herbei und versammeln sich bei den Tanzkillbuchen. Sie tragen ihre Kriegsausrüstung: lange, zweischneidige Schwerter in eisernen Scheiden, Lanzen mit langen breiten Eisenspitzen, einige auch Schleudern und Bogen. Den Kopf schützen Helme aus Metall, den Körper deckt ein großer, mit Leder überzogener Schild.

    Unter dem grünen Blätterdach der Bäume wogt bald ein Meer von Lanzen. Die Krieger bilden einen Halbkreis um eine mächtige Buche. Als Gaufürst Imar einen Fels am Fuße der Buche besteigt, verstummt der Lärm der Stimmen und Waffen. Die Frauen und Kinder im Hintergrund drängen näher heran. Laut schallt die Stimme
    Imars durch den Buchenhain: „Treverer, ihr wißt, daß wir vor Jahren mit den Germanen Frieden geschlossen und diesen Frieden bis heute gehalten haben. Schon seit Monden berichten unsere Kundschafter jedoch von Kriegsvorbereitungen der Germanen. Jetzt wissen wir, daß diese Vorbereitungen uns gelten. Ein großer Zug von Kriegern ist unterwegs zu unserm Gau. Bald werden sie hier eintreffen. Wir werden aber auch diesmal die Germanen mit blutigen Köpfen nach Hause schicken!" Ein beifälliges Gemurmel geht durch die Reihen der Krieger. „Bevor jedoch der Kampf beginnt, wollen wir die Götter um Rat fragen".

    In der Nähe des Versammlungsplatzes steht ein unbehauener, wohl 5 Meter hoher Felsen. Um ihn haben sich die Priester und Priesterinnen, die Druiden, versammelt. Ein Huhn ist geschlachtet worden.

    Das Blut des Opfertieres sucht sich langsam einen Weg über die Wand des Felsens und durch künstliche Rinnen. Aufmerksam betrachten die Druiden den Fluß des Opferblutes. Priesterinnen untersuchen die Eingeweide des Tieres. Andere Druiden haben in der Stille des Waldes dem Gesang der Vögel gelauscht. Was die Druiden so sehen und hören, deuten sie als Weissagung. Bald verkündet der Oberpriester der versammelten Menge den Spruch des Kriegsgottes Maturbus: „Ihr werdet siegen!" — Begeistert schlagen die Krieger ihre Lanzen an die Schilde. Manche Frau aber erschauert in Angst bei dem dumpfen Dröhnen der Waffen.

    Gaufürst Imar gibt die Kampfanweisungen. Unter Führung ihrer Häuptlinge wenden sich die meisten Krieger der Wikingerburg im Norden der Hochfläche zu. Hier ist der Feind am ehesten zu erwarten. Die Frauen, Kinder und Greise aber eilen ihren weit über die Hochfläche verstreuten Wohnungen zu. Bald kehren die ersten zurück. Mit Ochsen bespannte Wagen tragen den wichtigsten Hausrat und Vorräte an Lebensmitteln. Kinder treiben Rinder und Schafe Am nächsten Morgen machen die Frauen sich auf, den Männern in der 6 Kilometer entfernten Wikingerburg Nahrungsmittel zu bringen. Fast alle Frauen tragen Waffen. Ungefährdet erreichen sie die Nordfestung. Die Wikingerburg ist zwar nicht so groß wie die Niederburg, doch sind ihre Mauern noch stärker, die Gräben tiefer. Inmitten der Festungsanlage erhebt sich ein hoher Turm. Ein Wächter kann von dort aus weit ins Land sehen. Der Wald ist ringsum gerodet, damit der Feind nicht ungesehen heranschleichen kann.

    Um die Mittagsstunde meldet der Wächter den Feind. Die Germanen haben die Höhe erreicht, an deren Abhang heute die Häuser von Schwarzenbruch stehen. Eilends verläßt die letzte Gruppe der Frauen die Festung. Das Tor wird mit schweren Balken verriegelt. Fast eine Stunde vergeht in Erwartung und beängstigender Stille. Es ist für die Krieger in der Festung fast wie eine Erlösung, als aus dem Wald der Nordseite plötzlich das Kriegsgeschrei der Germanen gegen die Mauern brandet. Aus dem Dunkel des Waldes stürmt die Schlachtreihe der Germanen hervor. Auf ein Kommando halten sie an und werfen Steine und kleine Lanzen gegen die Verteidiger auf den Mauern. Pfeile und Brandfackeln schwirren durch die Luft. Die Treverer müssen hinter den Mauern Schutz suchen. So können sich die Germanen bis dicht an die Mauern heranwagen. Einige Feinde haben bereits begonnen, Feuer an die Holzverkleidung der Mauern zu legen. Da prasseln plötzlich Steine, die die Treverer in großer Zahl auf den Mauern aufgehäuft hatten, auf die Feinde herab und begraben viele Krieger unter sich. Die Germanen ziehen sich in den "Wald zurück. Wieder wird es still im Wald und in der Festung.

    Die Germanen beschließen, in aller Stille die Festung zu umgehen und sie von der Südseite anzugreifen. Vorsichtig nähern sie sich den Felsen, die die Hochfläche begrenzen. Sie sind sehr erstaunt, als sie die Felsen, zwischen denen sie nun hinaufklettern müssen, unverteidigt finden. Ihr Mut und ihre Zuversicht wachsen. Sie sammeln sich im Wald und nähern sich nun von der Hochfläche her der Burg. Sie wissen, daß diese Seite weniger stark befestigt ist. Auch befindet sich hier der Haupteingang. Man wird das Tor in Brand setzen oder mit einem Balken einrammen können, hoffen die Germanen. Sie verlassen diesmal vorsichtig den schützenden Wald.

    Da wird auf dem Turm der Festung ein Feuer mit dunkler Rauchwolke sichtbar, und der schrille Ton eines Hornes unterbricht die Stille. Unschlüssig verharren die Feinde außerhalb des Wurfbereichs der Festung. Dann horchen sie auf. In der Ferne, hinter ihrem Rük-ken, ist ein dumpfes Poltern zu vernehmen, das mehr und mehr anschwillt. Dann taucht in der Waldschneise, die von der Ebene zur Festung führt, eine große Schar von Reitern auf. Sie haben sich auf ihren Pferden aufgereckt, stoßen schrille Schreie aus und werfen ihre kurzen Speere. Sie schwenken nach rechts und links in den Wald und versperren so den Zugang zur Hochfläche. Inzwischen hat sich auch das Tor der Festung geöffnet, und die Verteidiger stürmen heraus.
    Die von allen Seiten eingeschlossenen Germanen müssen bald den Kampf aufgeben. Wenn die Germanen nicht ein hohes Lösegeld bezahlen, werden die Kriegsgefangenen das harte Los der Sklaven tragen müssen. Die Gefangenen werden in einem Siegeszug zum Versammlungsplatz geführt. Bei der Siegesfeier sagt Gaufürst Imar: „Wir werden unsere Reiterei verstärken; sie hat diesen Kampf entschieden!"

    Eifel-SAGEN von Hans Theis

    Gespenster vermeiden es bekanntlich, ihren Namen zu nennen und treiben ihr Unwesen am liebsten dann, wenn sie den Augen der Menschen nicht ausgesetzt sind.

    Daß man vor etwa hundert Jahren in einem kleinen Dörfchen der Westeifel einmal ein Gespenst leibhaftig zu sehen bekam, wurde deshalb als ein solches Kuriosum angesehen, daß diese Geschichte noch heute an den langen Winterabenden in den Bauernstuben erzählt - und belacht wird.

    Der reichste Mann des Ortes war der Tienesbauer; er nannte den schönsten Hof und die besten Felder sein eigen. Aber seit zwei Tagen hätte nicht einmal der ärmste Tagelöhner mit ihm tauschen wollen. War es doch seit der vorletzten Nacht im Tieneshofe nicht geheuer: Ein Gespenst trieb des Nachts sein Unwesen in dem Hause. Während die Bewohner zitternd in ihren Betten lagen und sich die Decken über die Ohren zogen, polterte es über die Treppe, rumorte in der offenen Küche und spektakelte auf dem Dachboden. Es war ein undefinierbares, hohl und dumpf klingendes Geräusch, das unheimlich durch die weiten Räume des Hauses klang.

    In der zweiten geistererfüllten Nacht schwor sich der Tienesbauer, dem Treiben des Gespenstes ein Ende zu bereiten. Da er aber selbst nicht über die nötige Erfahrung in der Behandlung von Gespenstern verfügte, schickte er am nächsten Morgen seinen jüngsten Knecht nach Jucken zu "Ihm Haanes", der im Gerüche eines Geisterbeschwörers stand. Der hatte zuerst mancherlei Ausflüchte; da ihm aber der Knecht, wohl wissend, daß er bei seinem Bauern ohne Geisterbanner sehr schlecht empfangen würde, keine Ruhe ließ und ihm noch eine reichliche Abfindung in Aussicht stellte, nahm er schließlich seinen Knotenstock hinter der Stubentür hervor, ein schweinsledergebundenes Büchlein vom Takenschaaf, stülpte seine Mütze über und stelzte schweigsam hinter dem Knechte her.

    Die Dämmerung kriecht bereits durch das enge Tal, als die beiden im Tieneshof anlangen. Ihm Haanes glaubt sich anfangs in ein Trauerhaus versetzt, so ernst die Mienen des Gesindes, so geräuschlos ihr Werken. Fragende, mit Scheu und Bewunderung gemischte Blicke treffen ihn. Der Bauer schildert ihm lang und breit die nächtlichen Vorkommnisse, der Geisterbanner nickt wissend mit seinem grauen Haupt. Die Nacht bricht vollends herein. In der Stube hat sich die Familie und das Gesinde um Ihm Haanes, der eine überaus wichtige und geheimnisvolle Miene zur Schau trägt, versammelt und erwartet die Ankunft des Gespenstes. Der Kienspan knistert, der blaue Rauch aus den Tonpfeifen zieht in Schwaden durch die Stube. Durch die Hände der Mägde gleiten die Perlen des Rosenkranzes. Langsam schleichen die Stunden.

    Es geht auf Mitternacht zu, als plötzlich die Köpfe in die Höhe fahren. Da ist er wieder, dieser unheimliche Radau! Diesmal kommt das Geräusch zweifellos vom Dachboden. Der Geisterbanner steht langsam auf, seine Blicke gleiten langsam über die Runde. Seine Frage, wer ihm assistieren wolle hat zur Folge, daß sich die Blicke schnell wieder senken. Schließlich erweist es sich, daß der Mutigste in der Runde der kleine, bisher wenig beachtete Hütejunge Pittchen ist. Pittchen, mit Kerze und weihwassergetränktem Palmwedel ausgerüstet, Ihm Haanes mit dem geheimnisvollen Buch in der Hand, so schleichen sie die Treppe zum Dachboden hinauf, gefolgt von den ängstlichen Blicken der Hausbewohner. Von oben ist noch immer laut und vernehmlich das gespenstische Treiben zu hören. Das Kerzenlicht wirft unheimlich verzerrte Schatten auf die weißen Wände, die alte Treppe knarrt unter ihren Tritten. Ob das Murmeln des Zaubermeisters aus Zaubersprüchen oder Zähneklappern besteht, läßt sich nicht unterscheiden. Das Ende der Treppe ist erreicht. Der Junge soll vorgehen! Pittchen spricht ein Stoßgebet, dann ein tiefer Atemzug und er steht auf dem Speicherboden. Einen Augenblick lang ist es ganz still, auch das unheimliche Geräusch ist verstummt; das ganze Haus hält den Atem an. In diese beklemmende Stille platzt auf einmal das helle Gelächter des "Zauberlehrlings". Diese unerwarteten Laute klingen so befreiend durch das Haus, daß das Leben plötzlich wieder in alter Form zurückzukehren scheint. Bauer und Bäuerin, Knechte und Mägde poltern stürmisch die Treppe hinauf und betreten mutig den Speicherraum. Dort kniet der Junge auf dem Boden und vor ihm windet sich das Gespenst im Kerzenlicht auf der Erde. - Es ist die alte Hauskatze, deren Kopf in einem irdenen Milchtopf steckt.

    Diese Töpfe wurden früher zum Warmhalten der Milch des Abends in die warme Asche des offenen Küchenherdes gestellt. Beim Naschen war Miezi in dem Behälter stecken geblieben.

    Als das vielstimmige Gelächter der Hausbewohner verklungen ist, sieht man sich nach dem Geisterbeschwörer um. Der aber ist ohne Honorar verschwunden. Auf der Treppe hat er in der Eile sein Geisterbuch liegen lassen; es entpuppt sich als "Goggine, Lehr- und Andachtsbuch für katholische Christen". Der Hütejunge aber hat in seinen alten Tagen noch oft die Geschichte von dem Gespenst auf dem Dachboden erzählt, und durch ihn ist sie uns überliefert worden.

    Einer wahren Begebenheit nacherzählt)
    © Hans Theis, Neuerburg

    Etwa eine Viertelmeile vom Streckelberg, einem Vorgebirge Usedoms, hat vor uralter Zeit eine große, reiche Stadt namens Vineta gelegen. In der Stadt hat alles von Gold und Silber geglänzt. Aber die Leute darin sind gar gottlos gewesen. Sie haben kleine Löcher in den Wänden mit Brot verstopft und ihre Schweine aus goldenen Trögen fressen lassen, und selbst die waren ihnen noch nicht gut genug.

    Da beschloss der Herr, die gottlose Stadt untergehen zu lassen, und an einem schönen Sommertage erhob sich plötzlich ein Wetter; die Wellen brachen über die Stadt herein und begruben alles. Nur ein einziger Mann,der fromm war, setzte sich auf sein schnelles Pferd und eilte davon. Die Wogen stürzten hinter ihm her, allein er entkam glücklich nach Coserow und da war er gerettet; sein Pferd aber stürzte auch sogleich tot unter ihm zusammen.

    So ist Vineta untergegangen. Aber alljährlich am heiligen Ostermorgen erhebt es sich aus der Flut und tanzt und springt freudig über den Wogen.

    A. Kuhn und W. Schwartz, Norddeutsche Sagen, 1848

    DER WILDE JÄGER WODE IN DER SCHWERINER GEGEND

    Einst kam ein Bauer in der Nacht von Schwerin. Sein Weg führte ihn durch den Wald. Da hörte er die Wilde Jagd, das Getümmel der Hunde undden Ruf des Jägers: "Midden in den Weg! Midden in den Weg!" Allein er achtete nicht darauf.

    Plötzlich stürzte aus den Wolken ein langer Mann, der auf einem Schimmel ritt. "Hast Kräfte?", sprach er. "Wir wollen uns beide versuchen. Hier ist eine Kette. Fass an! Wer kann am stärksten ziehen?" Der Bauer fasste beherzt die schwere Kette. Der Wode versuchte nun, sich in die Luft zu erheben. Allein der Bauersmann schlang die Kette um eine Eiche, sodass der Jäger vergeblich zerrte.

    Hast gewiss das Ende um die Eiche geschlungen!", rief der Wode. "Nein", versetzte der Bauer, "sieh, so halte ich sie in meinen Händen." "Nun, so bist du mein in den Wolken!", schrie der Jäger und schwang sich empor. Doch der Bauer schlang die Kette wiederum die Eiche und es gelang dem Wode sein Vorhaben nicht. "Hast doch die Kette um den Baum geschlagen!", sprach der niederstürzende Böse. "Nein", erwiderte der Bauer, der sie eiligst losgewickelt hatte. "Sieh, so halte ich sie in meinen Händen!"

    Und wärest du schwerer als Blei", sagte der Wilde Jäger, "so musst du hinauf zu mir in die Wolken!"

    Blitzschnell ritt er aufwärts. Aber der Bauer half sich auf die alte Weise. Die Hunde bellten, die Wagen rollten, die Rosse wieherten dort oben, die Eiche krachte und schien sich seitwärts zu drehen. Dem Bauer ward bange. Aber die Eiche stand.

    ast brav gezogen", rief der Wode. "Mein wurden schon viele Männer,aber du bist der Erste, der mir widerstand. Ich werde dich belohnen."

    Laut ging die Jagd an: "Holla, holla! Wohl! Wohl!" Der Bauer schlich seines Weges weiter. Da stürzte aus riesigen Höhen ein Hirsch ächzend hernieder. Auf einmal war auch der Wode wieder da, sprang vom weißen Rosse und zerlegte eiligst das Wild.

    Blut sollst du haben", sprach er zum Bauern, "und ein Hinterteil dazu."

    "Herr", rief der Bauer, "dein Knecht hat nicht Eimer noch Topf."

    Dann zieh deinen Stiefel aus!", sprach der Wode. Der Bauer tat's und der Jäger goss Blut hinein und sagte: "Nun wandre mit Blut und Fleisch zu Weib und Kind!"

    Die Angst erleichterte dem Bauer anfangs die Last. Allmählich wurde sie schwerer und schwerer, sodass er sie kaum zu tragen vermochte. Mit krummem Rücken, vom Schweiße triefend, erreichte er endlich seine Hütte.
    Und siehe da, der Inhalt des Stiefels war lauter Gold und das Hinterteil des Hirsches ein Beutel voll Silbergeld.

    Quelle: Krambeer, Mecklenburgische Sagen